Ergebnisse

Die LifE-Studie trägt mit ihren Ergebnissen zum wissenschaftlichen Diskurs in der Entwicklungspsychologie, Soziologie sowie in den Erziehungs- und Bildungswissenschaften bei. Einige interessante Befunde bis zur siebten Welle (2012) der Studie sind im Folgenden, geordnet nach Domänen, dargestellt.

Bildungs- und Berufsbereich

Die Studie zeigt eine frühzeitige und hohe Vorhersagbarkeit von Bildungsabschlüssen und Berufskarrieren ab dem zwölften Lebensjahr. Es konnte nachgewiesen werden, dass das Bildungssystem eine meritokratische Funktion hat, wobei schulische Leistungen den Hauptfaktor für Bildungsabschlüsse von hochbegabten Kindern aus unteren sozialen Schichten darstellen. Die Berufskarrieren von Kindern aus höheren sozialen Schichten hängen hingegen weniger von kognitiven Fähigkeiten ab, sondern sind stark von ihrer sozialen Herkunft geprägt. Die Studie untersuchte auch die langfristigen Auswirkungen verschiedener Schul- und Ausbildungsformen auf den Erwerbsverlauf, wobei das „tracking“ von Schülerinnen und Schülern in unterschiedliche Schulformen betrachtet wurde. Eine signifikante Reduktion der Bildungsungleichheit durch integrierte Schulsysteme konnte nicht belegt werden.

Soziale Beziehungen

Für soziale Beziehungen vom späten Kindesalter bis zum mittleren Erwachsenenalter belegt die Studie Kontinuität und Vorhersagbarkeit. Frühe familiäre und freundschaftliche Beziehungserfahrungen haben langfristige Auswirkungen auf Partner- und Eltern-Kind-Beziehungen im Erwachsenenalter. Des Weiteren wurde festgestellt, dass enge und sichere Beziehungen im frühen Familienleben entscheidende Bedingungen für das psychische Wohlbefinden, die emotionale Stabilität und die Lebenszufriedenheit im Erwachsenenalter sind. Im Geschlechterunterschied zeigte sich, dass Mutter-Tochter-Beziehungen im Vergleich zu anderen Eltern-Kind-Beziehungsdyaden langfristig die engsten und stabilsten Beziehungen aufweisen. Darüber hinaus war die Vorhersagekraft von familiären Erfahrungen für Frauen langfristig stärker ausgeprägt als für Männer.

Intergenerationale Weitergabe von kulturellen, religiösen und politischen Orientierungen

Bei der Weitergabe von kulturellen, religiösen und politischen Orientierungen wurde eine hohe Stabilität über den Lebensverlauf hinweg festgestellt. Dabei erweisen sich das Elternhaus und die Schule als zentrale Einflussfaktoren für kulturelle, religiöse und politische Orientierungen im Erwachsenenalter. Die Schule spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung solcher Wertvorstellungen, die zu Hause nicht vermittelt werden. Religiöse Bindungen entstehen vor allem durch elterliche Vorbilder und die Qualität der innerfamiliären Kommunikation beeinflusst die Wertevermittlung maßgeblich.

Persönlichkeit und Gesundheit

Die Studie betrachtet Selbstwirksamkeit und Selbstwertgefühl als zentrale Prozesse der Handlungsfähigkeit und identifiziert ein niedriges Selbstwertgefühl als Vulnerabilitätsfaktor für die Entwicklung von Depressionen im frühen Erwachsenenalter. Die Beziehungsqualität zu Eltern, Gleichaltrigen und Partnerinnen bzw. Partnern ist eng mit dem Selbstwertgefühl verbunden. Berufliche und akademische Erfolge sind weniger voraussagekräftig für das Selbstwertgefühl und die Depressionsneigung, zeigen allerdings im Gesundheitsbereich Relevanz. Zudem beeinflussen Arbeitslosigkeit und Armutserfahrungen die psychische Gesundheit stark. Die LifE-Studie dokumentiert auch soziale Veränderungen im schulischen und familiären Umfeld über drei Jahrzehnte hinweg, wobei eine Humanisierung der schulischen Bildung und eine Emotionalisierung in den Familienbeziehungen festgestellt wurde.